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Ein Leben für den Chorgesang

WAZ Wattenscheid am 5. November 1983

Eppendorfer feiern Dirigenten

Der Sängerkreis Wattenscheid, der mittlerweile auf neun Chöre zusammengeschrumpft ist, ist im Sängerbund Nordrhein-Westfalen nicht nur der kleinste, sondern auch der jüngste, denn er wurde erst 1950 gegründet. Vier der in Wattenscheid tätigen Chorleiter wurden vom Sängerbund bisher mit der goldenen Dirigentennadel ausgezeichnet: Willi Kleemann, Hermann Esser, Theodor Werdelmann und Alfred Schneider-Heise. Zum erstenmal aber gibt es hier einen Dirigenten, der nun zum drittenmal sein silbernes Chorleiterjubiläum begehen kann: Wolfgang van Kempen.

Das erste dieser Jubiläen konnte er schon vor fünf Jahren im Kirchenchor St. Joseph feiern, den er 1953 übernahm. Im Frühjahr dieses Jahres wurde er im Auftrage des Sängerbundes wegen seiner 25jährigen Chorleitertätigkeit vom Kreisvorsitzenden Franz Fabry und Kreischorleiter Heinz Großjung ausgezeichnet. 

Nun kann er dieses Jubiläum auch als Dirigent der Chorgemeinschaft Eppendorfer Liederfreunde begehen, die am Sonntag unter seiner Leitung in der Stadthalle ein Konzert gibt.

Wolfgang van Kempen ist mit der Musik seit seiner Jugend eng verwachsen. Seine Eltern ermöglichten ihm den Besuch des Musiklehrerseminars in Münster, an dem er die Fachprüfung mit Glanz bestand. Er studierte aber an diesem Konservatorium noch weiter, bis er auch das Organistenexamen A hinter sich hatte, das gleichzeitig auch mit einer Chorleiterprüfung verbunden war. Die Kirchengemeinden wurden auf ihn aufmerksam, als er während eines Diözesan-Cäcilienfestes in Herne in einer „Stunde junger Komponisten" eine Suite von Bienert interpretierte.

Chor-Ehe war ein Volltreffer

Wenig später übertrug ihm seine Heimatgemeinde St. Joseph Wattenscheid das Amt des Organisten und Chorleiters. Den Männerchören im Ruhrgebiet wurde er vor allem dadurch bekannt, als er mit dem MGV Sangeslust an einem Chorwettbewerb in Mayen teilnahm und den Wattenscheidern dort in der höchsten Klasse alle ersten Preise und ihm selbst der Dirigentenpreis zuerkannt wurde.

Nach dem Tode des Essener Musikpädagogen Hermann Esser wählte ihn auch der MGV Liederfreund zu seinem Dirigenten. Trotz eines erfolgreichen Debüts konnte auch der junge und einsatzfreudige Dirigent den Verfall des Eppendorfer Chores nicht aufhalten. Darum wurde der MGV im Juli 1966 in eine Chorgemeinschaft mit gemischten Stimmen umgewandelt. Was sich damals als Notlösung anbot, erwies sich später als Volltreffer. Der Chor wuchs ständig und brachte es schließlich auf eine Stärke von über 70 Stimmen. Die Eppendorfer Liederfreunde sind amit der zahlenmäßig stärkste Chor im gesamten Groß-Bochumer Raum.

Daß sie zudem auch hinsichtlich ihrer Leistung eine Spitzenstellung einnehmen, wollen sie in dem Konzert am Sonntag erneut beweisen. Das anspruchsvolle Programm ist eine gute Mischung von alten und neuen Kompositionen. An der Spitze stehen drei Schubert-Chöre. Zum Ausklang wird eine Melodienfolge von Paul Lincke, dem Altmeister der Berliner Operette, zu hören sein. Zwischen diesen beiden Polen sind Spirituals und andere volkstümliche Gesänge eingebettet, in die Solovorträge des Essener Sängers Günter Marx eingeblendet sein werden.

THADDÄUS SURMA