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Shall I compare thee to a summer’s day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer’s lease hath all too short a date:

Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimmed;
And every fair from fair sometime declines,
By chance, or nature’s changing course, untrimmed:

But thy eternal summer shall not fade,
Nor lose possession of that fair thou ow’st;
Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
When in eternal lines to time thou grow’st:

So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.

(Shakespeare, William. Duncan-Jones, Katherine: Shakespeare’s Sonnets. Bloomsbury Arden 2010, S. 147
aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Sonnet_18, ;20.06.2019)

Versübersetzung

Max Josef Wolff

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?
Er ist wie du so lieblich nicht und lind;
Nach kurzer Dauer muss sein Glanz verbleichen,
Und selbst in Maienknospen tobt der Wind.

Oft blickt zu heiß des Himmels Auge nieder,
Oft ist verdunkelt seine gold'ne Bahn,
Denn alle Schönheit blüht und schwindet wieder,
Ist wechselndem Geschicke untertan.

Dein ew'ger Sommer doch soll nie verrinnen,
Nie flieh'n die Schönheit, die dir eigen ist,
Nie kann der Tod Macht über dich gewinnen,
Wenn du in meinem Lied unsterblich bist!

Solange Menschen atmen, Augen seh'n,
Lebt mein Gesang und schützt dich vor Vergeh'n!

(Übersetzung: Schlegel-Tieck, 1924
Nach: https://gutenberg.spiegel.de/buch/sonette-2186/18, 20.06.2019)

Versübersetzung

Markus Marti

Ob ich wie einen Frühlingstag dich finde?
Du bist mir viel gemäßigter und lieber.
Die Maienknospen zittern noch im Winde,
da ist des Sommers Wohnrecht schon vorüber.

Mal scheint des Himmels Auge viel zu heiß,
und oft wirkt seine goldne Farbe düster,
und bald verliert die Schönheit ihren Reiz,
wird durch ein Unglück oder Altern wüster.

Dein ewger Frühling aber wird nicht bleich,
und deine Schönheit wird dir nie entgleiten,
der Tod nicht prahlen, sei'st in seinem Reich,
du wächst in diesen Zeilen durch die Zeiten.

So lang noch Augen sehn und Menschen leben,
so lang lebt dies Gedicht und gibt dir Leben.

(Anmerkung Markus Marti: "Das wohl berühmteste [Shakespeare-] Sonett überhaupt. Der Adressat - ob Mann oder Frau [...] - wird wieder mit dem vertraulichen, persönlicheren thou angesprochen. Die Thematik von Sonett 18 ('Unsterblichkeit lässt sich im Gedicht erreichen') schließt an die Sonette 15 und 16 an, kommt dann aber noch in vielen anderen Sonetten vor."
Quelle: Sh:in:E Shakespeare in Europe https://shine.unibas.ch/Sonette1.htm#18, 20.06.2019)

Wortnahe Übersetzung

Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?
Du bist schöner und angenehmer:
Raue Winde schütteln die bezaubernden  Knospen des Mai,
Und des Sommers Miete hat ein allzu schnelles Ende:

Manchmal zu heiß strahlt das Auge des Himmels,
Und oft ist sein goldenes Angesicht verdunkelt;
Und jedes Schöne der Schönheit schwindet irgendwann, Zufällig, durch Wechselfälle der Natur, ohne Zutun:

Aber dein ewig währender Sommer wird nicht verblassen,
Noch verliert du den Besitz der Schönheit, die dir eigen ist,
Noch wird der Tod prahlen, du wandertest in seinem Schatten
Wenn in ewig währenden Zeilen du in die Zeit wächst:

So lang Menschen atmen können und Augen sehen können,
So lang lebt dies, und dies gibt Leben dir.