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Fragen und Antworten

„Eppendorfer Liederfreunde“ - was ist das?

Die Eppendorfer Liederfreunde sind ein sogenannter „gemischter Chor“ - das heißt, wir singen mit verschiedenen Frauenstimmen (Sopran, Alt) und verschiedenen Männerstimmen (Tenor, Bass) gemeinsam, also in gemischter Besetzung.

Die Liederfreunde sind ein „weltlicher“ Chor - also kein Kirchenchor. Wir singen zwar auch kirchliche Musik, aber eben nicht hauptsächlich.

Wir singen Chormusik, also Stücke, die speziell für diese Mehrstimmigkeit komponiert oder gesetzt wurde. Das sind teilweise Chor-Standards, die man so ähnlich auch bei anderen Chören hört, das ist aber auch heutige Popmusik, die speziell für den Chor umgearbeitet wurde - in der Popmusik würde man sagen „Cover-Versionen“.

Wir singen in unserer Freizeit zum Spaß. Dieser Spaß hat immer zwei Teile:

- Die Proben

Jeder weiß, dass er ein Instrument nur gut spielen kann, wenn er es regelmäßig übt. Das ist bei der Stimme nicht anders. Wir proben deshalb jede Woche knapp zwei Stunden, das ganze Jahr über.

Proben brauchen einen Spannungsbogen - sie sind nur interessant, wenn sie auf etwas hinführen, nämlich:

- Die Aufführungen

In den Aufführungen bringen wir alles zusammen: Wir stehen in einen Raum, der mitklingt und den Klang stark beeinflusst; wir singen darin so gut, wie wir nur eben können; wir haben Publikum, dem es gefällt; und immer bedeuten die Aufführungen etwas, jede transportiert Aussagen, die in den einzelnen Stücken angelegt sind und die wir als Gesamtbild zusammensetzen.

Manche Aufführungen sind Bestandteil einer größeren Veranstaltung (z. B. Maischützenfest Bochum), manche dienen wohltätigen oder vergnüglichen Zwecken, und etwa alle 18 Monate geben wir ein Hauptkonzert, mit zusätzlichen Solisten, und immer unter einem bestimmten Motto, das den roten Faden bestimmt und an dem sich der Programmaufbau ausrichtet.

Zusammen! Singen! Im Chor! - Das ist der Kern.

Damit das funktioniert, gibt es auch eine Organisation: den Verein Eppendorfer Liederfreunde e. V.

Warum macht Singen Spaß?

Musik verstehen wir Menschen sofort und unmittelbar - unser langsamer Verstand kommt immer erst später hinzu und wundert sich. Erklären lässt sich der Spaß am Singen nicht gut. Besser ist es, ihn zu erleben. Sehen Sie sich z. B. mal diesen Kurzfilm von Thomas Grube an:

mehr zum Film: hier

Eine noch bessere Antwort auf die Frage, wie der Spaß am Singen funktioniert, erhalten Sie natürlich, wenn Sie es selbst ausprobieren. Besuchen Sie z. B. eine Veranstaltung von Katrin Höpker:

"Frau Höpker bittet zum Gesang (Singen macht glücklich)".

Sehr empfehlenswert!

Damit stellt sich gleich die nächste Frage: Warum macht es Spaß, in einem Chor zu singen? ...

Warum macht es Spaß, in einem Chor zu singen?

Auch wenn man sich alleine vielleicht nicht so gerne als Sänger oder Sängerin produziert (das muss man ja auch können), im Chor geht es fast immer gut.

Veranstaltungen wie die von Katrin Höpker (siehe vorige Frage) machen einem bewusst, wie viel Musik man im Kopf hat und mit etwas Unterstützung sofort produzieren kann.

Und jetzt die große Frage: Lässt man es dabei bewenden? Oder baut man es aus?

Es ist mit dem Singen wie mit allen anderen Fähigkeiten, die wir haben: Sie sind noch viel befriedigender, wenn wir sie geübt und trainiert haben, wenn wir sie in guter handwerklicher Qualität anwenden können, wenn wir damit Dinge tun können, die nicht alltäglich sind.

Und das bringt der Chor dabei:

  • Singen, was man sonst nur gehört, aber niemals gesungen hätte
  • Unterstützung bekommen und selber unterstützen
  • Qualität, als Ergebnis gemeinsamer Arbeit
  • Konzerte als Ziel- und Höhepunkte
  • Spannung und Erfolg - es kommt auf jeden Einzelnen an

Das Wichtigste ist vielleicht, dass man hier selbst etwas schafft, was nicht mal so eben aus dem Ärmel geschüttelt werden kann.

Das Zweitwichtigste ist die Gruppe: der Chor, die Freunde und Helfer des Chores und das Publikum.

Allein dadurch, dass mehrere Leute, sogar ziemlich viele Leute, zusammen an derselben Sache arbeiten, entsteht eine Gemeinschaft, von der man etwas hat. Man kennt das aus dem Sport und neuerdings aus dem Internet - etwas selbst zu machen zusammen mit Anderen bringt mehr Freude, als Fernsehen, Radio oder jeder für sich allein je produzieren könnte.

Dazu müssen wir zusammenarbeiten, uns zuhören, aufeinander zuarbeiten, andere einbeziehen - und siehe da, es liegt in der Natur des Menschen und macht ihn froh, vielleicht sogar glücklich.

Was wird in diesem Chor gesungen?

Bis ins Mittelalter ragen nur einige kirchliche Lieder zurück, die wir z. B. im Advent singen, und einige Volkslieder gibt es auch schon sehr lange. Unser eigentliches Repertoire beginnt aber im Barock (Händel, Bach), geht über die Klassik (Mozart, Beethoven) in die Romantik und mit Ausflügen in Oper und Operette in die Gegenwart bis zu Bearbeitungen aktueller Popmusik.

Es ist, mit anderen Worten, das übliche Spektrum eines gemischten Chores.

Bei der Auswahl legen wir Wert auf zwei Punkte:

1. Ist die Musik gut?

2. Kommt die Musik beim Publikum an?

Heikle Fragen.

Gibt es überhaupt gute und schlechte Musik? Jedenfalls gibt es technisch gute Kompositionen/Sätze und technisch weniger gute. Wir wählen die guten.

"Gut" nennt man oft auch das, was den eigenen Geschmack trifft. Der eine findet diese Musik gut, der andere jene. Viele, die eine Weile im Chor gesungen haben, stellen aber fest, dass die persönliche Vorliebe nicht alles ist und sogar langweilig werden könnte. Nur Operette, nur Pop, nur Rock, nur Filmmusik, nur Gospel, nur Kirchenmusik, nur Romantik - das alles gibt es auch, und es ist etwas für Spezialisten.

Wir finden es dagegen spannend, wie verschieden diese Musiken "funktionieren", wie verschieden sie ihre Wirkung erzielen. Und man merkt schnell: scheinbar Einfaches, oft gehört und mitgeträllert, ist oft nicht so simpel, wie es scheint. Abba, Udo Jürgens, Beatles: fein abgestimmte Uhrwerke, die man erst mal beherrschen muss.

Und dann: Langweilig vorgetragen wird auf der Konzertbühne alles wieder zu Brei. Es ist wie oft im Theater - man muss die Deutlichkeit fast übertreiben, damit beim Publikum das Richtige ankommt.

Wie gut muss ich singen können, um mitzusingen?

Das übt sich. Die Stimme entwickelt sich, die Gesangstechnik, die Atemtechnik - alles Dinge, die man nach einer Weile beherrscht. Wir sind alle Laien - nur unser Chorleiter ist Profi.

Wichtigste Voraussetzung singen zu können ist aber, hören zu können, genauer: hinhören zu können. Schwierigkeiten, den richtigen Ton zu treffen, zu laut, zu leise, falsches Gefühl - wenn man sorgfältig hinhört, erkennt man nach einer Weile, wie es sein soll, und siehe da, nach einer weiteren Weile gelingt es einem auch selbst!

Wir produzieren als Chor ja keine Solo-Stimmen, sondern Chorstimmen, und wir sind auch kein kleiner Kammerchor. Immer mal wieder konnten wir bisher zwar auch Solo-Parts aus dem Chor besetzen, aber das ist eher ein glücklicher Zufall.

Wir wenden uns bewusst an die normal Begabten, die mit normalem Ehrgeiz und Spaß an der Freude dabei sind, und gleichen Schwächen des Einen durch Stärken des Anderen aus.

Muss ich Noten lesen können?

Nein, nicht wirklich. Auch hier ist Hören das Ein und Alles, und der Blickkontakt zum Dirigenten.
Noten helfen aber, sich an Details zu erinnern, und sie unterstützen die Genauigkeit.

Wenn man bisher gar nichts mit Noten anfangen kann, wird man lernen:

  • Notensysteme bestehen aus mehreren Zeilen, für jede Stimme eine.
  • Töne sind umso höher, je höher die Noten im Notensystem stehen.
  • Töne werden durch bestimmte Zusatzzeichen höher oder niedriger.
  • Töne werden kürzer gesungen, je mehr an den Noten „dran ist“: Hals, Füllung, Fähnchen.
  • Töne werden länger gesungen, wenn ein Punkt hinter der Note steht steht.

Nach etwas Gewöhnung ist das nicht komplizierter als das Lesen der Fernsehzeitung.

Sind auch Instrumente dabei?

Wir proben mit einem Klavier, und oft ist auch ein Klavier oder Flügel das Instrument, das uns im Konzert begleitet.

Oder ein Streichorchester begleitet uns im Konzert, oder eine Orgel, oder ein Akkordeonorchester, oder ein Mandolinenorchester, oder Blechbläser, oder ein Harfe, oder ein Salonorchester.

Oder wir singen ohne Begleitung, „a capella“.

Ist der Chor nicht zu alt für mich?

Unser ältestes Chormitglied ist 45 Jahre älter als unser jüngstes. Den Chor gibt es seit dem Jahr 1900 - seitdem ist es also immer wieder gelungen, sogenannten „Nachwuchs“ zu finden.

Ehrlich gesagt finden wir diese Altersspreizung auch interessant.

Andererseits - das Durchschnittsalter beträgt 70 Jahre, und die Altersverteilung ist entsprechend.

Woran liegt das, wo sind die Jüngeren? Spricht man mit anderen Chören und auch mit anderen Gruppen, stellt sich heraus, dass wir in der selben Situation sind wie viele andere:

1. Spaß als Dienstleistung

Das Bedürfnis, sich regelmäßig in Gruppen zu treffen und zusammen etwas zu machen, hat in Zeiten eines breiten Freizeit- und Unterhaltungsangebots stark abgenommen. Spaß ohne eigene Anstrengung, unverbindlich und auf Bestellung ist überall im Angebot. Die Generation der 65- bis 85-jährigen hat das in ihren mittleren Jahren zwar auch schon zu spüren bekommen, aber nicht so stark wie wir heute.

2. Männer?

Am ehesten beteiligen sich noch Frauen. Männer interessieren sich privat noch für Fußball, scheinen sonst aber seit Erfindung des Fernsehens alles Regelmäßige außer Haus zu meiden. Warum auch immer.

Wir wissen nur eins: Ist man erst mal dabei, ist das Alter kein Problem mehr. Das Regelmäßige auch nicht. Auch nicht als Mann.

Muss ich regelmäßig zur Probe kommen?

Ja, das wäre schon gut. Auch wenn es nicht immer geht.

Wir proben nicht in jeder Woche das ganze Programm, sondern nehmen uns gezielt bestimmte Teile vor. Fehlt man einmal, findet man wieder rein. Fehlt man häufiger, muss man sich schon anstrengen. Fehlt man regelmäßig, hat man einfach keine Chance.

Urlaub ist natürlich kein Problem, den gönnen wir uns auch.

Die Probe beginnt bewusst erst um 20 Uhr, und das lässt sich oft auch mit Arbeitszeiten vereinbaren, die ja neuerdings mal bis in den Abend reichen.

Warum gibt es jede Woche eine Probe?

Es sind überraschend viele Einzelteile, die die Gesamtwirkung einer Musik ausmachen. Wenn diese nicht lange und in Ruhe geübt werden, erreicht man nicht die Sicherheit und Konzentration, die man im Konzert braucht, damit wirklich alles passt.

Muss ich auch zu Hause üben?

Nein.

Professionelle Chöre und Musiker tun das natürlich und bringen das sogenannte Tonmaterial schon fertig in die gemeinsamen Proben. Dann geht es nur noch um den Gesamtklang, den Ausdruck, das Aufeinander hören und um das Zusammenspiel. Das geht auch gar nicht anders, weil zur Konzertvorbereitung nur wenige gemeinsame Proben zur Verfügung stehen.

Auch wir proben mit Solisten und Instrumentalisten vor dem Konzert in der Regel genau einmal, alles andere ist von ihnen perfekt vorbereitet.

Wir selbst hingegen nehmen uns für ein Hauptkonzert ca. 18 Monate gemeinsame Zeit, und in dieser Zeit üben wir auch das Tonmaterial gemeinsam. Wenn ein Stück ganz neu ist, benötigt es auch diese Zeitspanne, bis man es wirklich gut kann.

Sind mehr als fünfzig Sänger nicht genug?

Eigentlich schon, aber siehe oben ("Ist der Chor nicht zu alt für mich?"):

1. Nachwuchs ist knapp

2. Männer sind knapp

Jede Chorstimme benötigt ein Gruppe von Sängern, sonst erreichen wir keinen ausgewogenen Klang.

Viele kleine a-capella-Chöre sind da in einer anderen Lage: Dies sind oft geschulte Solo-Stimmen, die zusammen im Chor singen. Dort reicht ein geschulter Tenor oder Bass - bei uns nicht, auch nicht mit geschulter Stimme.

Woher kommen die Chormitglieder?

Der Name zeigt den Ursprung: Wattenscheid-Eppendorf. Im Jahr 1900 wurde der damalige Männerchor übrigens gegründet, weil sich Einige nicht mit dem Evangelischen Männergesangverein vertragen haben, in dem sie bis dahin gesungen hatten. Soviel zur Geschichte.

Heute kommen die Mitglieder aus Eppendorf, Höntrop, Weitmar, Günnigfeld, Herne und Essen.

Was ist der Verein „Eppendorfer Liederfreunde e. V.“?

Vereinszweck ist der Chorgesang und, wie es so schön antiquiert heißt (der Chor stammt immerhin von 1900), „die Pflege des Liedguts“.

Proben, Konzerte und weitere gemeinsame Veranstaltungen organisiert und finanziert der Verein.

Die aktiven Chorsänger sind Mitglieder des Vereins, derzeit über fünfzig. Außerdem haben wir eine Reihe von Fördermitglieder, die nicht aktiv singen.

Haupteinnahmequellen des Vereins sind Mitgliedsbeiträge und Konzerterlöse. Der Verein ist gemeinnützig, also kann man die Spenden, die man dem Verein gibt, von der Steuer absetzen.

Mehr dazu: hier

Verdient der Chor auch etwas an seinen Auftritten?

Übers Jahr sind unsere Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, es bleibt dabei also nichts übrig. Die Veranstaltungsräume und die professionellen Musiker, die mit uns arbeiten, müssen bezahlt werden, und das wird durch die Eintrittsgelder und die Werbeeinnahmen des Programms so gerade gedeckt.

Es gibt doch jede Musik in bester Qualität auf CD und im Netz – warum soll ich zum Musikhören noch in ein Konzert gehen?

Die Lautsprecher im Wohnzimmer oder die Kopfhörer mögen ja ganz gut sein, aber mit dem Klangraum einer Kirche oder eines Konzertsaals können sie nicht mithalten. Fragen Sie mal ihren alten Physiklehrer …

Live erleben Sie Musik anders: direkter, detailreicher, emotionaler, mit dem ganzen Körper.

Es gibt doch so viele gute Musiker auf der Welt und im Ruhrgebiet, da kann ich doch gar nicht mithalten?

Müssen Sie auch nicht. Einfach nur mitmachen, denn Musik kann man auch als Laie und weitab vom Weltklasse-Niveau machen, ohne niveaulos zu werden. (Laufen Sie gerne? Auch da sagen viele ja, obwohl sie sich niemals für Olympia qualifiziert haben.)

Was dieser Chor singt, würde ich mir nie anhören!

Zugegeben - was wir singen, ist traditionell. Aktuelle Popmusik ist dabei, steht aber nicht im Vordergrund, wenn auch Vieles schon aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt. Unser Chorrepertoire erstreckt sich vielmehr über gut 400 Jahre. Das ist nicht das, was die meisten sich auf den iPod laden oder ins CD-Laufwerk schieben, streamen oder bei iTunes suchen würden. Vieles finden Sie dort nicht einmal.

Trotzdem - auch diese Musik hat was. Entdecken Sie es, wie so viele, am besten, indem Sie singen, und Sie werden merken:

a) Sie erkennen es wieder

b) Sie beherrschen es mehr und mehr

c) Es macht Spaß, es hat Qualität, und sie hören es gern

Wenn Sie das noch nicht erlebt haben - probieren Sie es aus.

Diese Musik ist nicht meine Musik!

Siehe oben ("Was dieser Chor singt, würde ich mir niemals anhören"). Zu uns gehört, was wir uns angeeignet haben.

Trifft sich der Chor auch mal, wenn er keine Probe hat?

Wir sind schon hauptsächlich zum Singen beieinander, mal abgesehen von Freundschaften, die es unter den Chormitgliedern natürlich gibt. Der ein oder andere Ausflug findet aber auch statt, und das tut der Gemeinschaft gut.

Kann ich Singen lernen?

Wenn der Chor sich zur Probe trifft, "lernt" er. Die meiste Zeit verwenden wir mit Üben, damit ein Stück aufführungsreif wird. Dazu üben wir über Wochen nacheinander verschiedene Aspekte des Stücks.

Die wöchentliche Probe beginnt, ähnlich wie beim Sport, mit Aufwärmübungen. Dabei singen wir kein bestimmtes Stück, sondern üben einige Techniken, die wir zum Singen brauchen - Tonabstände genau zu treffen, deutliche Aussprache, Tonwechsel, Atmen .... Atmen? Neben Hören ist Atmen für das Singen mit das Wichtigste, Stichwort Atemstütze und Zwerchfellatmung - können Sie ja mal googeln.

Uwe Gille 2006, Respiration, CC BY-SA 3.0

Für diese technischen Aspekte findet man natürlich auch Gesangsunterricht, wenn man das intensiver üben und perfekter beherrschen will - den meisten Chormitgliedern reicht aber die Aufwärmübung aus. Kommt Zeit, kommt Übung.